Maria Auguste Gillhausen, geb. Moog (1898 - 1948)
Einen kurzen Überblick über die Geschäftstätigkeit Maria Gillhausens liefert Elisabeth Furtwängler im Répertoire des acteurs du marché de l'art en France sous l'Occupation, 1940-1945.[1]
Lebensdaten:
Geboren am 20. September 1898 in Mülheim, Kreis Bernkastel/Mosel; Vater: Friedrich Moog , Mutter Maria Gertrude Moog, geb. Kunz, beide wohnhaft in Wiesbaden.
1921 wohnhaft in Wiesbaden, Lessingstr.9. Hochzeit am 11. Januar 1921 in Wiesbaden mit dem Gutsbesitzer und Oberleutnant a.D. Eugen Otto Christof Gillhausen (*1893 Essen), wohnhaft in Neufahrn, Bezirksamt Wolfratshausen/Oberbayern. Von diesem am 23. Dezember 1927 wieder geschieden.
Gestorben am 14. Mai 1948 im Alter von 49 Jahren im Städtischen Krankenhaus in Frankfurt a. Main. [2]
Nach dem Tod des Inhabers der Galerie Caspari, Georg Caspari, im Jahr 1931, wo Maria Gillhausen als Sekretärin tätig war, machte sie sich mit dem Handel von Antiquitäten und Kunstgegenständen selbssttändig. Anni Caspari führte wohl die Galerie alleine weiter, da die Söhne Paul und Ernst 1933 nach England emigriert waren. [3] Nachdem die Reichsschrifttumskammer Caspari aufgefordert hatte, bis März 1937 die Galerie abzugeben, sie die Frist aber verstreichen ließ, wurde die Galerie Caspari zwangsweise von offizieller Seite geschlossen. Vor ihrer Deportation nahm sich Anni Caspari das Leben.[4]
Ihre erste offizielle Kunsthandlung eröffnete Gillhausen im Mai 1941 im Gartenhaus der Münchener Leopoldstr. 38. Mit Umsätzen von über einer Million Reichsmark war ihre Geschäftstätigkeit ausgesprochen erfolgreich. Ob sie dabei weiter geschäftliche Kontakte zu Frau Caspari unterhielt oder in welcher Weise auch immer Nutznießerin ihres Suizids war, ist nicht geklärt. Sicher ist, dass sie das Mobiliar und andere Einrichtungsgegenstände bei sich eingelagert hat [BArch B323/510, f. 87]
Nach der Besetzung erwarb auch Maria Gillhausen einige Gemälde in Frankreich. Und auch sie scheint dabei von Adolf Wüster unterstützt worden zu sein. Das legen zumindest die Namen der Händler nahe, bei denen sie Kunstwerke erworben hatte. Darüberhinaus lagerten einige der Gemälde, die Adolf Wüster aus Frankreich nach Deutschland transferiert hatte, in ihrem Depot auf Schloss Thalhausen bei Freising.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Maria Gillhausen zum engsten Umfeld Adolf Wüsters. Im Schriftverkehr mit den Besatzungsbehörden nennt er zeitweilig als seine Postanschrift die Adresse, von der aus Gillhausen seit Mai 1941 Kunsthandel betrieb.
Am 5.4.1947 erhält Maria Gillhausen von der Oberbayerischen Regierung die Lizenz, um offiziell wieder als Kunsthändlerin tätig zu werden [5] .
[1] https://agorha.inha.fr/detail/217
[2] Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden, Heiratsregister, Bestand 925, Lfd. Nr. 2536 und Personenstandsregister, Sterberegister, Bestand 903, Lfd. Nr. 240 [nach ancestry.de; zuletzt 21.04.2021 besucht]
[3] BArch B323/510, f. 86
[4] Peters, Sebastian: Die Galerie Caspari in München, 1913-1939. Netzwerke und Handlungsspielräume einer jüdischen Kunsthändlerin im Nationalsozialismus. Studienabschlussarbeit an der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der LMU München > online: https://epub.ub.uni-muenchen.de/41213/1/Sebastian_Peters_Die_Galerie_Caspari_in_Muenchen_MA.pdf
[4] s. Angaben in Proveana: https://www.proveana.de/de/koerperschaft/galerie-caspari-muenchen
[5] https://www.fold3.com/image/269884083

Im Februar 1946 übermittelt Maria Gillhausen dem MFA&A-Mitarbeiter Lt. Walter W. Horn, der sie in Thalhausen interviewt hatte, dieses Inventar, der von ihr in Frankreich erworbenen Kunstgegenstände. [1]
Wenige Monate später äußert Lt. Horn den Verdacht, dass sie wohl nicht alle im Ausland erworbenen und noch in ihrem Besitz befindlichen Kunstwerke aufgelistet hätte. [2]
Zumindest ein Werk von Vuillard mit dem Titel "Vase with flowers", das sie über Adolf Wüster bei der Galerie Gérard in Paris erworben hatte, erwähnte Frau Gillhausen nicht. [3]
[1] https://www.fold3.com/image/270142383/investigations-of-individuals-agoston-gurlitt-page-137-eu-ardelia-hall-collection-munich-administrat
[2] https://www.fold3.com/image/269984931/france-claims-pictures-and-tapestries-from-goring-collection-disappeared-between-karinhall-and-berch
[3] BArch B 323/510, f. 71+82; Verkaufsregister Gérard > https://digitalprojects.wpi.art/archive/search/detail?id=568196-march-1941-pages-75-to-78-of&media=26066610&previewMode=fullscreen&zoom=0.8437500000000002&x=0.47718658257493174&y=0.05646006678953558

Die Werke, die Wüster in Thalhausen eingelagert hat und die nach Frankreich restituiert wurden. [BArch B 323/510, f. 68]